Samstag, 23. Juli 2016

Die Zeit rennt auch im Dämmerschlaf...

Mir gerät die Zeit durcheinander, so vieles ist passiert in den zurück liegenden 2 Wochen...

Die grausam schmerzhafte Entzündung, die sich von der HWS über den linken Rücken vom Hals bis zur Mitte ausbreitete, die ständige Übelkeit, Kotzerei, Durchfälle, Schmerzen in den Beinen und im Becken, verursacht durch die anwachsenden, sich teilenden neuen Zellen.
Damit fertig werden, dass die scheiss Krankheit dieses Anwachsen so sehr verlangsamt und es immer wieder herbe Rückschläge gibt, gerade bin ich von 4.000 auf 2.600 Leukos zurück gefallen. Brauchte wieder Blut, diesmal Erythrozyten-Konzentrat, bestrahlt mit 25gy, damit sich ja keine Fremd-DNA in meinen Körper schleicht...

Die anstrengende Punktion der HWS und der daneben liegenden tiefen Weichteile unter CT, ich konnte mich nicht bewegen, Gottseidank, und ich hatte ein Handtuch, in das ich beißen konnte, als sie mit den langen Kanülen in mein Kreuz bohrten...
Vorher zwei MRTs, zur Klärung der Lage, Rücken überstreckt, den starren Bügel über dem Hals, ständiger Würgereiz... CTs, Sonographie wegen entzündetem Darm, Knochenmarkspunktion... Tage nur im Dämmerzustand.

Gerade ist keine Blutgruppe zu bestimmen, völlig irre, obwohl meine Spenderin dieselbe Blutgruppe hat wie ich. Gottseidank haben sie keine bösartigen Zellen mehr gefunden, keine Blasten. Jetzt warten wir auf die humangenetischen Ergebnisse: wieviel alte Kallen und wieviel neuer Spender ist nachzuweisen... Stichwort Chimärismus.

Verlaufs-MRT, diesmal weniger schmerzhafte 45 Minuten in der knallenden Röhre.

Gestern habe ich zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wieder ein bisschen gegessen. Und Tee getrunken, zwei Becher, immerhin.

Davor zwei Tage Entzug, so was Gruseliges! Ich habe das Runterfahren der Morphiumpumpe nicht vertragen, totaler Zusammenbruch: Klappern am ganzen Leib, Schmerzen im Kiefer, Kopf, dauerndes Brechen, Durchfall, zappelige Beine, Hin- und Herschmeissen im Bett, Schwitzattacken... Geht mir erst besser, seit ich wieder eine kleine Dosis bekomme, die jetzt ganz vorsichtig ausgeschlichen wird.Vor vier Tagen hatte ich ein psychisches Allzeittief. Eine ganze Nacht habe ich ohne Pause geweint, wollte nicht mehr, wollte niemanden sehen, hören, kein Licht... ich war so völlig ohne Hoffnung, erst ein langes Gespräch mit Prof. K. hat mich wieder auf Spur gebracht.

Nächste Woche bekomme ich einen Port eingebaut und obwohl ich wegen der erhöhten Infektionsgefahr nicht begeistert bin, beginnt damit die allmähliche Vorbereitung auf die Entlassung. Über den neuen Zugang werde ich dann bei meinen täglichen Klinikbesuchen mit allen Medikamenten versorgt.

Seit gestern morgen geht es mir insgesamt ein bißchen besser. Ich war eine halbe Stunde draußen, habe Zeitung gelesen unter schöner gelber Markise und in lauem Lüftchen sitzend... und ich habe den ganzen Tag geschrieben wie besessen (über 2.400 Leser an einem Tag auf dem Blog, das macht mich ein bissi stolz 😊).

Erste Geburtstagspost kommt hier an, von wildfremden Menschen adressiert an "Uniklinik Düsseldorf, Bea Kallen". Liebevolle, fürsorgliche Zeilen von Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Post und Mails von Freunden, so berührend und herzlich, manchmal muss ich heulen. An meinem Geburtstag werde ich genau 7 Wochen hier sein...



Chimärismus: http://www.leukaemie-phoenix.de/langzeitfolgen/blutbildung/

1 Kommentar:

  1. Liebe Bea.
    Du bist eine starke wunderbare Frau.
    Ich denke an dich und schicke Dir positive Gedanken.
    Renate Brunder-Korbmacher

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