Freitag, 2. Januar 2015

Auf-Schreiben.



Die Geschichte beginnt mit meiner Vorliebe für schöne Notizbücher, über Jahre die einst nur stylish-schwarzen der Marke Moleskine in jeder Größe, seit einger Zeit machen mir jedoch auch die knallbunten Exemplare von Leuchtturm1917 großen Spaß, sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn ich für diesen Blog ein paar Dinge zusammentrage.

Allen gemein ist eine schöne Haptik, ich mag sie gerne anfassen, auch die dünnen, schulheftmäßigen mit Pappdeckeleinband, die ich im Gericht benutze, wenn ich meiner Schöffentätigkeit nachkomme. Ebenfalls haben sie gemein, dass sie hinten ein schönes Fach für alle möglichen Notizen haben, die vorne auf keinen Fall hineinsollen, oder jetzt noch nicht hineinsollen, die nur eine Gedankenstütze sind und die ich meist erst nach Monaten oder gar nach Jahren wiederfinde. 
In meinem Rezeptbuch von Moleskine finden sich dort eine Vielzahl winzigster Aufkleber, mit denen ich meine Rezepte besonders kennzeichnen kann als waaaahnsinnig toll und absolutes Lieblingsrezept oder völlig unverzichtbar - unsinniger Schnickschnack, natürlich - aber so entzückend. Auch, wenn ich damit die noch winzigeren Seitenzahlen überklebe, die mir doch das Auffinden meiner manchmal ein wenig unorthodox (zu-)geordneten Rezepte erleichtern sollen. Es gibt nämlich auch ein Inhaltsverzeichnis in diesem an Überraschungen nicht gerade armen Büchlein.

Überhaupt: wozu in Zeiten, in denen das www. nur für Kanzlerinnen Neuland ist, Notizen machen, Rezepte aufschreiben? Statt zu googeln, auszudrucken und allenfalls noch abzuheften? Antwort: Weil es Spaß macht! 

Ich schreibe gerne mit der Hand, manchmal flüchtig schnell, eben eine Notiz, manchmal mit einem schönen Füller, Briefe z.B. oder wenn ich für besondere Menschen Widmungen in mein Buch schreibe. Rezepte schreib' ich meist mit Kuli, weil die Tinte des Füllers auf dem Papier der Notizbücher ein wenig ausläuft. Das mag ich nicht. 

Ich mag hingegen die Vorstellung, dass meine Tochter, die viele meiner Vorlieben teilt, eines Tages in diesem Rezeptbuch herumschnöft und sich erinnert an das, was wir gemeinsam gekocht, ausprobiert, getrunken haben. Bis dahin ist mir meine Sammlung an Arbeitsanleitungen für beste Chutneys und Relishes, für Dips und perfekt zubereitete Gänse, Enten, Tafelspitz, für verschiedene Brote und natürlich für die absolute (!!!) Bloody Mary, heilig. 
Ich kann bei nachlassendem Gedächtnis zuverlässig darauf zählen, dass die besten meiner und anderer Ideen in Sachen Küche hier versammelt sind. Stets wird ergänzt, angemerkt, nie gestrichen... Gerade gestern habe ich Bert Gamerschlag's Rezept für die ultimative Weihnachts- oder Silvesterpute hinzugefügt. Mit meinen Änderungen, klar...

Meine wertvollsten Moleskines sind jedoch ein paar dicke kleine Notizbücher,  ganz gleichmäßig und mit großer Ruhe vollgeschrieben, jeden Abend oder doch beinahe jeden Abend auf dem Jakobsweg, den ich zweimal gegangen bin. Oft habe ich stundenlang bei einem Glas Rotwein an irgendeinem bollernden Kamin gesessen und niedergeschrieben, was mich am Tage bewegt hat. Oft auch in eisiger Kälte auf einem klammen Bett sitzend, sehr, sehr selten in einem schönen, vor allem einem warmen Hotelzimmer. Ich habe erst zwei Jahre nach meiner letzten Pilgerreise angefangen, diese Notizen aufzuarbeiten und noch einmal zu Papier zu bringen.


Das war außerordentlich schön und hat mir manches wieder in Erinnerung gerufen, was schon ein wenig verblasst war.

Mein Buch, nicht mit der Hand geschrieben, ist im Frühjahr 2012 erschienen.


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Als Nächstes gibt es hier zu lesen: "Wie aus einer Ansammlung vieler Notizbücher ein toskanisches Kochbuch der Extraklasse wurde" 

Aber das dauert noch ein klitzekleines bißchen.


























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